Science Fiction

Parallelen

Haruki Murakami – 1Q84

Ein silbergraues Ungetüm besetzt schon seit Wochen den Platz auf dem Nachttisch. Mehr als tausend Seiten stark hat es schon beinahe biblische Ausmaße. Doch das soll erst der Anfang sein: Der Band enthält die ersten zwei Bücher, das dritte wird voraussichtlich im Oktober erscheinen. Dumont hat das Mammutwerk des Japaners anständig verpackt: Giftgrün prangt der Name des Autors von allen Seiten des Einbandes.
Der Inhalt der Neonbibel steht der Aufmachung dann auch um nichts nach. Für alle, die mathematische Klarheit schätzen oder sich mit Struktur klassischer musikalischer Arrangements identifizieren können, wird dieses Buch eine Freude sein. Für alle anderen auch, denn der glatte Stil und die hervorragend gezeichneten Spannungsbögen lassen Leser_innen sofort in die Geschichte eintauchen.

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Was kommt nach der Zukunft?

planetesauvageAnsichten einer wilden Erde: La Planète sauvage von René Laloux

Science-Fiction kann auch eine Form von Postfuturismus sein. Wenn man fragt, was mit uns Menschen passiert, wenn die Erde – aus welchen Gründen auch immer (aber das ist ja dann egal) – den Bach runter- oder in fulminanten Staubwolken aufgeht, sind Normalsterbliche oft schnell mit ihrem Latein am Ende. Ultraoptimistische träumen dann gerne vom Leben in einer fernen Galaxie, deren paradiesische Planeten von unserer fortgeschrittenen Wissenschaft erschlossen sein würden, wenn es denn so weit käme.

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Auf der Suche nach dem Sinn

Wir schreiben das Jahr 3210. Auf der Erde, die nach ihrer zweiten Zerstörung bereits zum dritten Mal völlig neu erschaffen werden musste, tummelt sich wie eh und je die Krone der Schöpfung namens homo sapiens sapiens sapiensis, welche drauf und dran ist, einem vierten Schöpfungsprozedere den Boden zu bereiten: Grausame Atomkriege wüten auf weiten Teilen des Planeten, inmitten katastrophaler Auswirkungen des nunmehr zehnten fundamentalen Klimawandels. Während der Planet aus seinem letzten Loch pfeift, fristet ein Roboter namens Marvin bereits seit einigen Jahren sein seliges Dasein auf einer einsamen Insel (auf der sich allerdings auch unsere schier unverwüstliche Wanze nach der Aufzeichnung zahlloser unsinniger Gespräche unbemerkt zur Ruhe gesetzt hat). Eines Tages bekommt Marvin, als er sichtlich deprimiert gesenkten Hauptes auf einem kargen Felsen unweit der Küste hockt, unangemeldeten Besuch: Ein schwarzes Auto taucht mit einem atemberaubenden Turboboost-Manöver und einer handfesten Bruchlandung aus dem Nichts auf.

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My coin operated boy

Sehr geehrte MitarbeiterInnen von Cyrano Science,

wie vereinbart sende ich Ihnen neben den beiliegenden Testformularen ein persönliches Schreiben über meine Erfahrungen mit dem COBY-2025. Bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, möchte ich Ihnen jedoch noch danken, in Ihr Programm aufgenommen worden zu sein. Das Vertrauen, das Sie mir entgegenbringen, bedeutet mir als treue Kundin besonders viel. Vielleicht können meine Erfahrungen mit diesem außergewöhnlichen Prototypen helfen, Sexbots in Zukunft noch mehr Frauen als attraktive Alternative zu präsentieren.

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Raumkapitän Sed‘s Logbuch

Der mysteriöse Nebel (Teil 7)

Raumkapitän Sed befindet sich mit seinem schnellen Sternenkreuzer Echo in den unendlichen Weiten und Längen von Zeit und Raum auf der Suche nach Swesda Klubniku, einem – der Überlieferung nach – paradiesischen Planeten. Wir erinnern uns: Die Erde wurde durch einen hinterlistigen Schlag des düsteren Lord Zozwo unbewohnbar. Nur ein kleiner Teil der Menschheit konnte sich auf Raumarchen in Sicherheit bringen. Sed und seine Crew wurden ausgeschickt, um ein neues Zuhause für die Überlebenden zu finden. In der letzten Folge überschlugen sich einmal mehr die Ereignisse: Die Echo entkommt in letzter Sekunde dem schwarzen Wirbel von Golgomoth und entdeckt im Schatten desselben einen merkwürdigen Sternennebel, während auf Noah 5, der Arche, auf welcher sich Seds hochschwangere Verlobte Aptica befindet, eine Meuterei im Gange ist.

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Jenseits von Teegeeack

„Who or what would oppose absoluteably seriousness?“ – „Nix absoluteably seriousness. […] Perfectably seriousness.“ (Der Prophet im Gespräch mit seiner Gattin)

Sie haben sicher auch so ein T-Shirt zum Thema Religionen. Catholicism: Shit happens because of your sins. Baptism: Shit happens – praise the Lord! Zeugen Jehovas: Shit happens door to door. Und so weiter. Aber wenn Sie es mitten im Weihnachtsgeschäft einfach nicht schaffen, an diesen rot gedeckten Info-Tischen vorüberzugehen, weil die Leutchen daran sich so freundlich dafür interessieren, ob Sie glücklich sind und Ihr gesamtes geistiges Potential nutzen – dann brauchen Sie nur noch einen kostenlosen Psychotest auszufüllen, ein Buch mit einem explodierenden Vulkan auf dem Titelblatt zu kaufen, sich ein paarmal an einen Lügendetektor zu klammern, wildfremden Leuten intime Details Ihres Lebens zu erzählen und etliche Zig- bis Hunderttausende € auszugeben, und schon haben Sie auf dem Hemd stehen: Shit happened 35 000 000 000 years ago. Und Sie glauben das dann sogar wirklich. Alles ganz seriös.

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Lukian von Samosata: Wahre Geschichten

Lukian„Wer aber nicht glaubt, daß es sich wirklich so verhält – wenn er eines Tages selbst hinkommt, wird er merken, daß ich die Wahrheit sage.“

Jules Verne? Douglas Adams? Michael Ende? Lewis Carroll, L. Frank Baum und die ganze SciFi- und Fantasy-Clique der letzten paar Jahre? Alles Nachmacher. Das Original, dem sie alle Tantiemen zahlen sollten, ist Lukian (geboren ca. 120 n. Chr. im heute türkischen Samsat, das er selbst Samosata nennt) mit seinen Wahren Geschichten. Er war lang vor Dante im Paradies und in der Hölle, und im gar nicht so unwohnlichen Bauch eines Riesenwalfischs hat er länger überlebt als Pinocchio. Andere waren nur auf dem Mond: Lukian hat die Zivilisationen auf Sonne und Mond erkundet, Pläne für die Besiedlung des Morgensterns mitbesprochen und ein vom Schützen (dem Sternbild!) befehligtes Heer aufmarschieren gesehen. Sagt er jedenfalls.

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Silbergraue Fantasielosigkeit

YodaDarf man Science Fiction und Fantasy in einen Topf werfen? Und darf man über Dinge lästern, die man nur aus der Ferne kennt?

Sie tragen klangvolle Namen und beeindruckende Schwerter, ernste Mienen und oft und gerne langes Haar. Die Welt soll gerettet werden, eine Reise in ferne Sterne steht an, ein Krieg bricht aus. Des Helden Antlitz blitzt in der Sonne, mit Wonne sticht er zu und sagt, was man in solchen Situationen halt sagt, etwas Pathetisches, Denkwürdiges, das haften bleibt. Was genau an Fantasy fantasievoll sein soll, ist mir schlicht schleierhaft, die müden Verfremdungsversuche wirken dermaßen bemüht, dass man peinlich berührt den Fernseher abschaltet beziehungsweise das Buch zuklappt.

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Rezension: Dark Star

Von philosophierenden Bomben und aufgeblasenen Außerirdischen

Eine Bombe, die Descartes zitiert und ihre eigene Existenz anzweifelt, ein wasserballähnlicher Außerirdischer mit sadistischen Zügen, ein toter, eingefrorener Commander und eine lethargische Vier-Mann-Crew treiben im Raumschiff „Dark Star“ durch die unendlichen Weiten des Weltalls. John Carpenter ist mit seinem 1974 realisierten Spielfilmdebüt „Dark Star“ ein durchgeknallter Science-Fiction-Film gelungen. Eine Hommage an Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ und Beispiel für einen Film, dessen Kultstatus mehr als berechtigt ist.

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