#6 - Spiel, Mai 08

SpielSpiel ist das Thema dieser Ausgabe. Aus verschiedensten Gründen.

Erstens aus naheliegenden wie den bevorstehenden Großereignissen wie Fußball-EM und Olympische Spiele, andererseits aus subtileren, die wohl jeder und jede selbst erlesen muss.

Scheiß auf die Guten

Als Erwachsene ist uns die Spielwelt der eigenen Kindheit längst abhanden gekommen. „Wir verbieten uns das Spielen, außer wir zahlen dafür“, meint Antonin Svoboda in einem Interview. Das Casino, als institutionalisierter Spielraum, kann einem dabei schnell zum Verhängnis werden: Spielsucht ist lediglich ein Thema in Antonin Svobodas 2005 erschienenen Film „SPIELE LEBEN“. Vielmehr handelt der Film von einer Person, die das Leben sucht.

„I hob gheart, Gott würfelt nicht, oba sama se ehrlich, schauts ned genau danach aus?“ – Kurt (Georg Friedrich) weiß nicht, was er vom Leben will, oder das Leben eigentlich von ihm. Da ist es beruhigend zu glauben, dass selbst Gott planlos und willkürlich einem System des vollkommenen Zufalls gehorcht.
Jegliche Systeme im eigenen Leben Kurts scheitern, ob die Langzeitbeziehung mit der Krankenschwester Manu (Gerti Drassl), die sich und ihren Liebsten in einem geordneten Lebensweg sieht, ihr Geld auf eine größere Wohnung spart und vom gemeinsamen Kind träumt. Oder Kurts eigener Traum vom großen Geld im Casino, angetrieben durch die Lust am Spiel, immer dabei ein kleines Notizheftchen mit Zahlenkolonnen, die das System knacken, das Roulettespiel am Casinotisch durchschaubar machen sollen.

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Ana hod imma des Bummerl ...

Das Schicksal literarischer Klassiker ist die Tatsache, dass sie zwar jedermanns Wertschätzung als Kulturgut an sich genießen, jedoch meist ungelesen verstauben. Und das ist verständlicherweise das Traurigste, was einem als Buch passieren kann.

Als uns seinerzeit in der Phase des pubertären Sturm und Drang Goethe, Schiller und Konsorten im intellektuellen Reclamformat entgegenstaksten, hinterließen sie einen eher eigenartigen Nachgeschmack. Irgendetwas zwischen Revolution und Wanderliedern, zwischen wogenden Ähren auf lichtdurchflutetem Felde und den unheilbaren Seelenqualen eines verschmähten Herzens, denen nicht selten Gewaltakte folgten.

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Mittleres Dutzend, schwarz, ungerade

„Точно: мелкая корысть и крупная корысть – не всё равно. Это дело пропорциональное.“

„Warum hat Goethe den Werther geschrieben?“ „Er hat schon den Vorschuß vom Verleger darauf gehabt, da hat er ihn doch auch schreiben müssen; und das Geld hatte er schon längst ausgegeben.“ – Im Fall des Werther war das boshafte Häme von Egon Friedell. Dostojewskijs Spieler (Игрок, Erstdruck 1867) wurde aber wirklich so geschrieben; und das Geld war nicht vielleicht versoffen, sondern verspielt, beim Roulette – womit nicht nur der Entstehungsgrund, sondern auch der Inhalt des „Romans“ (eher Novellchens) und seiner wenigen halbwegs lebensnahen Szenen zusammengefaßt ist.

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Der Sprachspielfähigkeitskoeffiziententest (SSpFKT)

Mit der Sprache spielen ist Ihnen zu hoch, Sie sind froh, wenn Sie verstehen, was ich zu Ihnen sage? Sprachspiele sind für den Kindergarten, und Sie haben was Ernsthaftes zu tun? Sie reden mit sich selbst nur Volapük, und wenn Sie mit anderen deutsch reden, dann gleich in Schüttelreimen? Hereinspaziert. Nur noch zehn Antworten bis zu Ihrem exakten Sprachspielfähigkeitskoeffizienten (SSpFK)! Wer kommt heute noch ohne ihn aus?

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In Gedanken schon mit Hut

Bald, Baldo, bald … (Teil 2 )

Nachdem Baldo mehr oder weniger zufällig die Bekanntschaft von Teddy, einem auf internationaler Ebene agierenden Verhökerer allgemeiner und auch ausgefallener Wertgegenständlichkeiten, gemacht hat, wird ihm von diesem sogleich ein Auftrag erteilt. Baldo hat zwar einige Mühe, das gewünschte Objekt in seinen Besitz zu bringen – wir erinnern uns mit Schaudern an die Katastrophe mit dem Zeppelin und die Schwierigkeiten, die die Schwerelosigkeit mit sich brachte – doch letztendlich glückt das Unterfangen und Teddy erhält die begehrte Kostbarkeit. Bald wird Baldo jedoch klar, dass das Kleinod seine Gedanken nicht zur Ruhe kommen lässt, er begreift, wie schamlos Teddy ihn benutzt hatte. So beschließt er, sich zurückzuholen, was ihm ohnehin schon immer gehört hatte. Ein halbes Jahr nach seiner überstürzten Abreise kehrt Baldo nun zurück nach Hausdorf, wo er alles so vorfindet, wie er es verlassen hat.

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Animalische Wiederbetätigung

„Heil Hitler“, grüßt Adolf gehorsam den Polizisten, wortlos zwar, doch mit gestreckter rechter Gliedmaße und treuem Blick. Daneben kommandiert Roland T., ein Berliner in Frühpension:
„Los Adolf, mach den Gruß!“. Adolf verharrt folgsam in seiner Haltung.
„Wenn Sie nicht sofort aufhören, dann muss ich Sie festnehmen“, wird es dem Polizisten langsam zu viel.

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Photoserie: Spiel

Die Photoserie der sechsten Ausgabe des Baggers zum Thema Spiel von Elena Anna Rieser (photocase, deviantart).

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