#7 - Straße, Okt 08

Straße Straße ist das Thema dieser Ausgabe. Sie führt uns vom Ausgangspunkt Wien kreuz und quer über Rom und Venedig nach Prag, über Amsterdam nach Stockholm, nach Athen, auch in die ehemalige DDR und den Kontinent verlassend bis nach Indien. Was dem Bagger auf jener ereignis­reichen Straße so alles über den Weg läuft, werdet ihr auf den folgenden Seiten erfahren. Also: Gang rein und drauf los geschaufelt! Der Bagger gräbt auch jenseits der Bodenmarkierungen!

Girl Talk – Feed the Animals

Was haben wir damals gestaunt, als der Chemielehrer zwei klare Flüssigkeiten vermengte und plötzlich waberte eine tief violette Brühe im Becherglas. Ähnlich wie der Herr Professor arbeitet Gregg Gillis – nur statt Fluid zu Fluid werden hier schale Schallwellen zu einem eklektischen Klangkonglomerat vereint.

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The Dead Bodies – Cock Cock Cock Cock Xanadu Xanadu

Wie man aus dem Namen dieses Kurzalbums unschwer erkennen kann, wird hier Indie-Pop abgeliefert, Spielrichtung „leicht verschroben“. Nimmt man die Anfangsbuchstaben und liest sie als römische Ziffer, ergibt sich, arabisch geschrieben, die Zahl 420, was aber, da weitgehend frei von Bedeutung, nicht einmal als Zufall bezeichnet werden darf. Also zurück zur Musik.

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Die Musik der Straße

Einer Band liegen meist zwei Prinzipien zu Grunde, die einander sowohl fördern als auch blockieren oder sogar ausschließen können. Prinzip Nummer Eins lautet: „Musik machen“ und ist wohl so etwas wie ein Instinkt. Prinzip Nummer Zwei lautet: „Diese Musik verbreiten.“ Denn was nutzt die schönste Musik, wenn sie niemand hört? Aber muss Musik gehört werden, um eine Berechtigung zu haben? Tatsache ist, dass das Prinzip Zwei längst die Macht über Prinzip Eins übernommen hat. Die Frage lautet längst nicht mehr, wie können wir das bekannt machen, was wir produzieren, sondern: Was müssen wir produzieren, um es möglichst bekannt machen zu können!

Ein Sommermärchen, zwei Freunde im hohen Norden, eine perfekte Reise neigt sich ihrem Ende zu. Stockholm zeigt sich von seiner besten Seite, wir freuen uns auf ein abendliches Konzert im Vitabergspark, Kristofer Åström, Christian Kjellvander, Tiger Lou, was für ein Aufgebot!

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Eva Jantschitsch über Gustav

Gustav ist vermutlich eine der undurchsichtigsten Figuren dieser Stadt. Mehrdeutigkeit ist bei ihr Programm. Vor vier Jahren hat sie mit ihrem Debut (Rettet die Wale) ins Schwarze getroffen aber sich dennoch rar gemacht und bedeckt gehalten, auf eventuelle Erwarungshaltungen gepfiffen und bedächtig an dem unlängst erschienenen Nachfolger (Verlass die Stadt) geschraubt.

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Wenn die Zivilisation am Beifahrersitz hockt …

Wolfgang Panzers poetischer „Straßenfilm“ „Broken Silence“ (CH 1995) zeigt, dass Roadmovies auch ohne Harley-Geschwindigkeitsrausch und Born to be wild-Romantik auskommen können.

„Unsere Probleme beginnen damit, dass wir nicht zuhause bleiben“ (Blaise Pascal) –
Der Kartäusermönch Fried Adelphi blieb ganze 25 Jahre zuhause, ehe er seine ihm so vertraute Klosterumgebung gegen die Welt außerhalb eintauscht. Gezwungenermaßen, denn der 100-jährige Pachtvertrag des Schweizer Klosters läuft aus und zu allem Übel befindet sich dessen Besitzerin weit weg, irgendwo in einer Vulkangegend mitten in East-Java. So sitzt Fried im Flugzeug Richtung Indonesien, ausgestattet mit Tropenhelm und Leinengewand, Geld und Kreditkarte. Das Leben kann beginnen – und mit ihm die Probleme.

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Heitere Verklärung des allzu Gewöhnlichen

Eine Replik auf ein einmaliges Stück der einmaligen Kleinkünstlerin „Agathe Notnagel“ und ihres charmanten „Herrn Nachbarn“.

Arthur C. Danto hätte wahrlich seine Freude gehabt, als Agathe Notnagel mit ihrem Herrn Nachbarn im Gürtellokal b72 das passende Stück „Nachtschwärmer und Gürtelrose“ im Rahmen der „Handmade-Night by Limupic“ zum Besten gaben. Eindrucksvoller Gesichtsausdruck liefert das Werkzeug der Dame mit lila Hut, die es versteht, eine Rolle der Frau zu parodieren, die in Zeiten wie diesen längst als überwunden gelten sollte.

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Silbergraue Fantasielosigkeit

YodaDarf man Science Fiction und Fantasy in einen Topf werfen? Und darf man über Dinge lästern, die man nur aus der Ferne kennt?

Sie tragen klangvolle Namen und beeindruckende Schwerter, ernste Mienen und oft und gerne langes Haar. Die Welt soll gerettet werden, eine Reise in ferne Sterne steht an, ein Krieg bricht aus. Des Helden Antlitz blitzt in der Sonne, mit Wonne sticht er zu und sagt, was man in solchen Situationen halt sagt, etwas Pathetisches, Denkwürdiges, das haften bleibt. Was genau an Fantasy fantasievoll sein soll, ist mir schlicht schleierhaft, die müden Verfremdungsversuche wirken dermaßen bemüht, dass man peinlich berührt den Fernseher abschaltet beziehungsweise das Buch zuklappt.

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Alessandro Baricco: Diese Geschichte

Über seltsame Figuren von großer Traurigkeit.

Spätestens seit der Verfilmung des Buches Novecento ist Alessandro Baricco über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. Seine Bücher Land aus Glas, Seide oder Oceano Mare sind in mehrere Sprachen übersetzt worden und machten Baricco zu einem der interessantesten zeitgenössischen Schriftsteller Italiens. Baricco, der 1958 in Turin geboren wurde, studierte Philosophie und Musikwissenschaft und unterrichtete später an der von ihm gegründeten Schule für kreatives Schreiben (Scuola Holden). Er lässt 2005 mit seinem neuen Buch Questa Storia aufhorchen, das 2008 endlich auch ins Deutsche übersetzt erschienen ist.

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Sonst noch was?

Wenn sie alles andere in dieser Ausgabe des Baggers gelesen, ein großzügiges Förderabo abgeschlossen und dann immer noch Zeit (oder auch nur Geld) übrig haben, dann sind Sie herzlichst eingeladen, auch diesen Text zu lesen. Vorher nicht.

Als Schreiber bei einem kleinen Zeitungsprojekt werde ich immer wieder einmal darauf angesprochen, dass ich doch bestimmt dieses oder jenes Magazin kenne. Meistens muss ich solche Annahmen dann enttäuschen – nur aus dem Faktum der Mitarbeit bei einem solchen Projekt ergibt sich offensichtlich noch lange nicht zwingend ein Interesse an Gleichartigem (auch wenn es, um ehrlich zu sein, schön langsam erwacht). Allerdings ist es nicht zu verhindern, dass einem im Laufe der Tätigkeit dennoch ähnliche Unternehmungen bekannt wurden, und um nicht der bösen Geisteskrankheit des Konkurrenzdenkens zu obliegen, werd ich mich nun der heilsamen Übung widmen, über solche nahen Verwandten des Baggers zu berichten.

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The Straights of San Francisco

Poker StraightsDire Straights? Straight jacket? Flache Wortwitze drängen sich auf. In Wirklichkeit grinse ich aber nur, weil ich so ein gutes Blatt habe.

Bei einer landesüblichen Partie Draw Poker gibt es 10 200 mögliche Straßen, neudeutsch: Straights. Nachdem die Gesamtzahl der möglichen Blätter 2 598 960 beträgt, hält man also nach dem Austeilen mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 0,00392 eine Straße in der Hand; das heißt, nicht ganz einmal in 254 Runden. Unnütze Information? Ja. Wem ein Stein auf den Kopf fällt, der rechnet nicht aus, wie wahrscheinlich das war; noch weniger, wem kein Stein auf den Kopf fällt.

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