#9 - Paradies, Mar 09

Paradies Was gibt es Besseres als eigene Paradeiser! Ein kleines Gemüsebeet anlegen oder einfach auf dem Fensterbrett im fein vorbereiteten Blumenkistl – wahrlich, der Geschmack schlägt jede profane Supermarkt-Tomate um Längen. Auch der Sortenauswahl sind so kaum Grenzen gesetzt: Da gibt es Skurrilitäten wie die weißbehaarte Deutsche, Vaters Himbeerrote, grüne Zebras oder auch leicht an Ananas erinnernde Irakis, Spezialitäten wie japanische Zwiebeln, gelbe Eier, Ochsenherzen und Dattelweine und Persönlichkeiten wie den Prinzen Borghese, die Opernsängerin Anna Hermann oder den Präsidenten Abraham Lincoln. Und besonders Kreative können sich eine Kamate züchten: Einfach Paradeiser- auf Erdapfel-Pflanze pfropfen und fertig ist das ober- wie unterirdisch fruchtbare Nachtschattengewächs. Kein Wunder also, dass die anfänglich – besonders in Österreich (wie könnte es anders sein) – kritisch beäugte, frisch eingewanderte Frucht, die den Ruf hatte giftig zu sein und Liebeswahn zu erzeugen, bald die Herzen der Europäer eroberte und hierzulande gar zum mit Abstand meistgegessenen Gemüse aufstieg. Und weil wir ihn ehren und lieben, den Paradeiser, widmet sich der Bagger diesmal eine ganze Ausgabe lang seinem Heimatland: Auf ins Paradies!

Sex

Sex ist das tiefste Menschenerlebnis – außer mystischen Erlebnissen. Warum wir Sex nicht verlachnässigen sollten. Mit tschechischen Lehrzeilen.

„Óbršwajn! Klána Perversiána!“, hallte es mir aus dem Zigarrenzimmer, wo der Gästecomputer steht, entgegen. Mein Gast wollte E-Mails checken und aus dem Browser poppten ihr unzählige Fenster entgegen: Or-al und andere -ale Sexarten, Orgasmus, Hegels Phänosexologie des Geistes usw. Ich musste für diesen Artikel recherchieren.

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Am Anfang war die Beziehung

Adam und Eva. Das allererste Liebespaar der Geschichte und der Anfang von Beziehungen. Es begann im Garten Eden. Gott schuf Adam eine Gefährtin, damit dieser nicht einsam ist. Adam und Evas Aufgaben beschränkten sich auf das Bewässern des Gartens und die Namensgebung der Tiere, wobei sie stets bei allem nackt waren und sich nicht dafür schämten. Zu Essen gab es reichlich. Es war das Paradies.
Heutzutage sitzen Männer immer noch gerne im Garten, am liebsten nackt und mit einer Dose Bier in der Hand. Das Bewässern gilt der eigenen Kehle und seiner „Bierbringerin“ gibt er Namen wie Mausi, Haserl oder Schneckchen.

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Yeti, Gold und Eldorado

Auszüge aus dem Roman „Das verlorene Paradies“.

[…] Eisig zog der Wind über den Kamm und drückte in unregelmäßigen, erbarmungslosen Böen kalte Luft ins Tal herab. Seit Tagen war die Expedition nun schon entlang dieser namenlosen Gebirgskette einige hundert Meter unterhalb des Grats unterwegs. Namen schien es in dieser Region ohnehin keine mehr zu geben. Der Pfad – wenn man ihn so nennen mochte – hatte der Reisegruppe nun bereits seit einiger Zeit ihre Strecke streng vorgeschrieben. Vor vier Tagen waren sie in nördliche Richtung eingeschwenkt und seitdem hatte sich weder nach oben über den Kamm noch nach unten in die im Nebel verborgene Schlucht ein Ausweg ergeben. Der einzige gangbare Pfad führte weiter nach Norden. Zurück konnten sie nicht, das wussten sie. Ihre Vorräte waren nur darauf ausgelegt ihr Ziel zu erreichen, für eine Umkehr war es bereits zu spät.

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Paradiesische Klänge

Unsere Wanze hat sich nun, zur Erholung von all den Lügengeschichten, denen sie in der letzten Ausgabe lauschen musste, an einen Ort der Ruhe und Besinnung zurückgezogen. In das etwas düstere Arbeitszimmer des großen Komponisten Adrian, der gerade Besuch von seinem Jugendfreund und standhaften Begleiter und Verehrer Serenus bekommt. Dieser wird von der rührigen Haushälterin Ludmilla hereingeführt.

Adrian: Nun, Serenus, dass du dich einmal herablässt, einem verschrobenen und zurückgezogenen Musikus die Ehre zu erweisen, nett von dir, ganz nett.
Serenus: Du und deine Redensarten! Du weißt genau, wie gerne ich deine Gesellschaft in Anspruch nehme. Ganz im Gegenteil bist du es ja, der sich von Zeit zu Zeit unpässlich fühlt und außer Ludmilla niemanden empfängt, aber heute wirkst du ja recht frisch und munter.

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Hochbau: Wellness

Kritische VerbraucherInnen vermuten dieser Tage hinter Produkten und Dienstleistungen mit Wellnesspräfix eine ausgekochte Wellnessindustrie, abstruse Kreationen der aller perfidesten Marketingheinis, die alles zwischen Aalsuppe und Zwerchfellstraffgerät verwellnessen, um auch die alternativsten, konsumprofilglitschigsten Bobos zu angeln.

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Tiefbau: Wellness, Wellness über alles, über alles auf der Welt.

Gibt der geneigte Mensch den Begriff Wellness bei Google ein, so darf er sich über 135.000.00 Treffer freuen. Und hat damit den ersten großen Fehler gemacht: In einer Welt, in der es Wellnesswässerchen linksdrehend (für wunderschöne [a.D.] Marxistinnen) sowie rechtsdrehend (für Führer des dritten Reiches ähhh Lagers) gibt, ist der Begriff ungefähr so viel Wert wie isländische Schuldverschreibungen.

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Schorsch Kamerun

Wenn es deutschsprachigen Punk gibt, der über viele Jahre relevant war und sich dennoch nie verraten hat, dann ist Schorsch Kamerun die Galionsfigur dieses Geisterschiffs. Geisterschiff deshalb, weil jedem, der sich damit beschäftigt hat, klar sein muß, daß Punk nicht für die Ewigkeit gebaut ist. Es ging nicht eigentlich um einen neuen Entwurf, sondern schlicht um einen Gegenentwurf zum aufkommenden Virtuosentum und den Star-Allüren der Rockmusik sowie einem demonstrativen Ins-Gesicht-Spucken in Bezug auf die kleinkarierte Genügsamkeit der Bürgerlichen mit ihrem Lieblingskind: Wirtschaftswachstum. Punk war insofern nicht eigentlich ein Rufzeichen, sondern wohl eher ein mit Gewalt gerade gehämmertes Fragezeichen. Und das auf allen Ebenen: Schließlich ist Anarchie kein politisches Programm, sondern schlicht die totale Verweigerung.

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Kreisky – Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld (Wohnzimmer) 2009

Kawumms: auf die 12 und in den Magen! Musikalisch als auch textlich. Auf der ersten Platte hieß es: „Es gibt genug zu fürchten, 1000 Gründe Angst zu haben“ und diesmal konkretisiert Franz A. Wenzl: „Ich habe Angst vor tiefen Gewässern, ich habe Angst alleine zu bleiben, ich habe Angst vor zu klugen Leuten und oft hab ich Angst der Teufel zu sein.“ Häufig bezieht sich diese Angst dabei auf gescheiterte Beziehungen: „Und du hast hundertmal gesagt, daß du ok bist und auch hundertmal, daß ich ok bin. Aber gemeint hast du, daß du so richtig ok bist und ich bin nur so halbwegs ok. (schreit:) OK!?“

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Pavement – Brighten the Corners (Matador) 1997

ng“ hab ich irgendwo mal gelesen. Ich bin da anderer Meinung, für mich ist es ihre beste Platte, aber es ist schon auch eine Seltenheit, daß die „schlechteste“ Platte einer Band überhaupt hörenswert ist. Das kann ich eigentlich von keiner Band behaupten. Egal.

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Brian Eno – Taking Tiger Mountain (Island) 1974

Das zweite Solowerk des bunten Hundes der streitbaren (!) Roxy Music ist unglaublich großartig. Das hat die Musikpresse damals ähnlich gesehen, aber gekauft haben das gute Stück nur wenige. Ein früher Liebhaber der Platte war aber David Bowie, der sie zum Anlass genommen hat, Eno anzuheuern und in den späten 70ern nicht nur eng mit ihm kollaboriert hat, sondern teilweise auch dessen Songs als eigene ausgegeben hat (bsp. Warszawa, nach dem sich Joy Division ursprünglich benannt hatten).

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