#9 - Paradies, Mar 09

Paradies Was gibt es Besseres als eigene Paradeiser! Ein kleines Gemüsebeet anlegen oder einfach auf dem Fensterbrett im fein vorbereiteten Blumenkistl – wahrlich, der Geschmack schlägt jede profane Supermarkt-Tomate um Längen. Auch der Sortenauswahl sind so kaum Grenzen gesetzt: Da gibt es Skurrilitäten wie die weißbehaarte Deutsche, Vaters Himbeerrote, grüne Zebras oder auch leicht an Ananas erinnernde Irakis, Spezialitäten wie japanische Zwiebeln, gelbe Eier, Ochsenherzen und Dattelweine und Persönlichkeiten wie den Prinzen Borghese, die Opernsängerin Anna Hermann oder den Präsidenten Abraham Lincoln. Und besonders Kreative können sich eine Kamate züchten: Einfach Paradeiser- auf Erdapfel-Pflanze pfropfen und fertig ist das ober- wie unterirdisch fruchtbare Nachtschattengewächs. Kein Wunder also, dass die anfänglich – besonders in Österreich (wie könnte es anders sein) – kritisch beäugte, frisch eingewanderte Frucht, die den Ruf hatte giftig zu sein und Liebeswahn zu erzeugen, bald die Herzen der Europäer eroberte und hierzulande gar zum mit Abstand meistgegessenen Gemüse aufstieg. Und weil wir ihn ehren und lieben, den Paradeiser, widmet sich der Bagger diesmal eine ganze Ausgabe lang seinem Heimatland: Auf ins Paradies!

Dies irae

oder: Denn alles Fleisch, es ist wie Grasoder auch Plädoyer für ein deutsches Requiem

Dies irae dies illa,
Solvet saeclum in favilla:
Teste David cum Sibylla.

Quantus tremor est futurus,
Quando iudex est venturus,
Cuncta stricte discussurus!
Tuba mirum spargens sonum
Per sepulcra regionum,
Coget omnes ante thronum.
(…)

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Das verlorene Paradies

Mit viel Gespür für die filmische Ausdruckskraft zeigt der französische Regisseur Olivier Assayas in seinem Film „L´Heure d’été“ (F 2008, dt. Titel: „Sommerzeit“) das Porträt einer Familie am Wendepunkt: Der Tod der Mutter zwingt die Zurückgebliebenen sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Dem gegenüber stehen die Anforderungen einer globalisierten (Arbeits-)Welt …

Jérémie (Jérémie Rénier) lebt mit Frau und Kindern in China, der Job in der Schuhproduktion mit aussichtsreichen Karrierechancen verlangt Mobilität und Flexibilität. Die Schwester Adrienne (Juliett Binoche) arbeitet als Designerin in New York. Einzig der Älteste der drei Geschwister, der Ökonom Frédéric (Charles Berling), blieb mit seinen Kindern und seiner Frau in Frankreich. Verbindendes Element der geschwisterlichen Beziehungen ist das französische Landhaus des vor 30 Jahren verstorbenen Onkels, ein Maler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, außerdem leidenschaftlicher Kunstsammler und heimlicher Geliebter ihrer Mutter, Héléne Berthier (Edith Scob).

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Kafka, Gott und das unzerstörbare Paradies

Angenommen, „Gott“ ist ein Name. Wie der eines Schriftstellers beispielsweise oder eines Schauspielers. Angenommen, man erwähnt „Gott“, egal weshalb und völlig egal wo. Geistliche Kreise und Institutionen ausgenommen, wird man ein genervtes Seufzen hören, sobald man über einen gewissen „Gott“ zu sprechen beginnt. So als ob man „Pythagoras“ oder „Kafka“ gesagt hätte.

Über diesen gewissen „Gott“ scheint schon so viel gesagt worden zu sein, dass er einem wie ein nerviger, etwas gestörter Nachbar vorkommt, von dem man nicht immer weiß, ob er jetzt da ist oder nicht. Ob daran die religiösen Überlieferungen und ihre konsequent labilen Interpretationen und Interpreten schuld sind, weiß ich nicht. Selbst jetzt während des Schreibens dieser Zeilen bin ich sehr vorsichtig, denn seine Anhänger sind oftmals leicht gekränkt. Leichter ist es, Kafka, der in manchen Kreisen so unbeliebt wie Gott ist, vorzuschicken und sich hinter ihm zu verstecken.

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Das Paradies und stetiges Hoffen auf noch paradiesischere Zustände – im Kinderbuch

Es mag verwundern, dass man sich einen Tiger und einen Bären zu Ratgebern der Lebensführung erwählt. Jedoch besitzen Janoschs Helden eine solche Anmut, dass man nicht umhin kommt sie zum Thema „Paradies und Unzufriedenheit“ zu zitieren. Im schmalen, so warmherzig illustrierten Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ wird der paradiesische Sündenfall neu aufgelegt.

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Ralf König: Prototyp

„Vitamin C, Kalium, Pektine, Fruktose, Flavonoide, Phenolsäuren, Erkenntnis.“

Das sind die Inhaltsstoffe eines Apfels, aufgezählt von einer Stimme aus dem Himmel. Dabei ist die Erkenntnis nur durch einen göttlichen Betriebsunfall hineingeraten; fatalerweise, denn nachdem Adam in den Apfel gebissen hat (die gehörnte Schlange mit Namen Luzi kann natürlich nichts dafür), wird er sehr nachdenklich, zitiert abendländische Philosophie von Epikur bis Hoimar von Ditfurth und verfällt dem Atheismus. Zwangsläufig, würde ein Richard Dawkins meinen – in diesem Fall aber ein klarer Irrtum: Adam teilt sich die Comicseiten nicht nur mit dem Teufel, sondern auch mit Gott. Und (hallo, Darwin!) mit allerlei Getier, zum Beispiel einer Kurzhalsgiraffe.

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Raumkapitän Sed‘s Logbuch

Der mysteriöse Nebel (Teil 7)

Raumkapitän Sed befindet sich mit seinem schnellen Sternenkreuzer Echo in den unendlichen Weiten und Längen von Zeit und Raum auf der Suche nach Swesda Klubniku, einem – der Überlieferung nach – paradiesischen Planeten. Wir erinnern uns: Die Erde wurde durch einen hinterlistigen Schlag des düsteren Lord Zozwo unbewohnbar. Nur ein kleiner Teil der Menschheit konnte sich auf Raumarchen in Sicherheit bringen. Sed und seine Crew wurden ausgeschickt, um ein neues Zuhause für die Überlebenden zu finden. In der letzten Folge überschlugen sich einmal mehr die Ereignisse: Die Echo entkommt in letzter Sekunde dem schwarzen Wirbel von Golgomoth und entdeckt im Schatten desselben einen merkwürdigen Sternennebel, während auf Noah 5, der Arche, auf welcher sich Seds hochschwangere Verlobte Aptica befindet, eine Meuterei im Gange ist.

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Connie Palmen

Annäherungen an eine philosophische Schriftstellerin

Es begann mit der Lektüre von „I.M.“ – dem Buch, in dem die Niederländerin ihre Beziehung zu Ischa Meijer auf berührende Art vom verliebten Beginn über das ungeheuer schöne aufrichtige Miteinandersein zweier intelligenter Zeitgenossen bis hin zum schmerzhaften Totalverlust schildert und uns an Liebe und Trauer teilhaben lässt. Es ging weiter mit der „Erbschaft“ – dem Buch, in dem die Philosophieabsolventin über die Macht der Geschichten und Grundemotionen schreibt und zugleich eine außergewöhnliche Beziehung des Gebens und Nehmens vorstellt. Es endete vorläufig mit der „Freundschaft“, wiederum ein Für-den-Anderen-Sein thematisierend, eine große Familiengeschichte aufrollend, die die Freundschaft zweier junger süchtiger (suchender) Frauen und ihren befreienden Bruch erklärbar macht. Es wird weitergehen mit den „Gesetzen“, wo sieben ihr untergekommene Männertypen abgeklopft werden … – meine unchronologische Lesereise durch Palmens Oeuvre.

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Virtueller Theaterraum

Die zum Theater in der Josefstadt gehörigen Kammerspiele scheinen sich indes bewusst zu sein, dass man nicht immer nur alte Hadern aufwärmen kann und zeigen ab 7. Mai Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ in einer von dem bekannten (Standard-)Autor erarbeiteten Bühnenfassung.

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Die Talisman-Sensation

Offene Münder! Vor Überraschung ergraute Sommerpelze! Ganz was Neues: Nestroy in der Josefstadt! Am 21. Mai hat unter der Regie von Michael Gampe die Posse „Der Talisman“ von Johann Nestroy Premiere. Warum auch Aktuelles spielen, wenn Otto Schenk seinen Rollentext noch im Langzeitgedächtnis gespeichert hat.

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Das Fußbad Jesu

Zum ersten Mal unangenehm aufgefallen waren sie ihm bei einer Hochzeit in Kanaa, Galiläa, auf der er und seine Apostel zu Gast waren.
„Was stinkt denn hier so, ist etwa ein Aussätziger unter uns?“, frug sich in seinem Geiste Jesus, der gerade dabei war, Wasser in Wein zu verwandeln.

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