#11 - Maschine, Sep 09

Maschine Hier ist der Bagger 11.0! Er wird Ihnen mit seiner komfortablen Handhabung und einem geräuscharmen Betrieb hoffentlich viel Freude bereiten. Sie können zwischen mehreren Einstellungen wählen: Je nach Auswahl ist Ihr Gerät beispielsweise als Weltmaschine, Landmaschine, Schachautomat, coin-operated-boy, Turing-Maschine, tschechischen Roboter oder als Perpetuum Mobile nutzbar. Maximale Leistung wird dadurch erreicht, dass Sie alle Einstellungen auswählen. Bitte beachten Sie dabei verschiedenste Zusatzhinweise am Display. Reinigen Sie den Bagger am besten mit einem trockenen Tuch. Somit wünschen wir Ihnen viel Vergnügen mit dem Herbstbagger – sollte diese Maschine wider Erwarten Ihre hohen Ansprüche nicht zufrieden stellen können, dann wenden Sie sich bitte an unsere "Serviceabteilung":internal:contact/Redaktion.

Von menschenfressenden Maschinen

Der Beziehung zwischen Mensch und Maschine wird in Charles Chaplins Film „Modern Times“ (USA 1936) kein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Stattdessen zeigt Chaplin, wofür zu leben es sich wirklich lohnt.

Charlie Chaplin Der Einzug der „großen“ Maschinen in die Arbeitswelt hat längst seine Aufregung verloren. Nicht so zu Zeiten der industriellen Revolution. Arbeitslosigkeit, Streiks, Armut stehen in Zusammenhang mit dem beginnenden Industriezeitalter und damit der voranschreitenden Automatisierung von Arbeitsvorgängen. In seinem Film „Modern Times“ setzt sich Charles Chaplin mit den gesellschaftlichen und vor allem den individuell-menschlichen Entwicklungen und Verlusten rund um die Industrialisierung auseinander:

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My coin operated boy

Sehr geehrte MitarbeiterInnen von Cyrano Science,

wie vereinbart sende ich Ihnen neben den beiliegenden Testformularen ein persönliches Schreiben über meine Erfahrungen mit dem COBY-2025. Bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, möchte ich Ihnen jedoch noch danken, in Ihr Programm aufgenommen worden zu sein. Das Vertrauen, das Sie mir entgegenbringen, bedeutet mir als treue Kundin besonders viel. Vielleicht können meine Erfahrungen mit diesem außergewöhnlichen Prototypen helfen, Sexbots in Zukunft noch mehr Frauen als attraktive Alternative zu präsentieren.

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Die Mechanik (gekürzt)

Fünftes Kapitel, Teil 1: „Lex prima“

MechanikLesen Sie nun die Fortsetzung unseres ebenso spannenden wie spinnenden Romans. Nach der zugegeben sehr ausführlichen wie wirren Erläuterung der Newton’schen Vorstellungen bezüglich Zeit und Raum bewegen wir uns in diesem Kapitel vorsichtig zu den Grundgesetzen der Mechanik zurück. Die begeleitende freiwillige Lektüre eines Physikbuches ist erfreulich, aber nicht notwendig.

Des Nachts, während seine Gedanken weiter um die Trägheit kreisten, vernahm er nun zeitweilig wieder das summende, bisweilen pochende Maschinengeräusch, welches ihm schon Wochen zuvor aufgefallen war und dem er schon damals, im Bett liegend, mit ruhiger, bisweilen auch gespannter Aufmerksamkeit gelauscht und nachgespürt hatte. Auch jetzt horchte er auf das Geräusch – es schien die unvollkommene Schwärze seines Wohnschlafraumes, die ihm just in diesem Augenblick auffiel, auf provokante Weise zu untermalen, als gelte es, eine unbewegte Szene in lächerlicher Manier zu vertonen.

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Buchtipp: „Spirale“(1956) von Hans Erich Nossack

Ein freundschaftliches Korrekturlesen brachte mich erstmals in Kontakt mit der literarischen Welt von Hans Erich Nossack(1901-1977). Die Verfasserin der zu sichtenden Abschlussarbeit ging der Frage nach, ob Nossacks existentiell zu nennende Schreibe vor allem von Sartre oder Camus geprägt ist oder ob ihn die kriegerischen Zeitumstände zu dem machten, was er ist: ein glasklarer Denker und Beobachter menschlicher (Innen- und Außen-) Welten. Besonders sprachgewandt wandte er sich in dem Band „Spirale“ der Sprache, dem Bewusstsein, dem Sein zu.

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„Der Teufel soll mich holen ...

… wenn es so etwas im Stil von „Verehrtes Publikum …“ wird.“
So stellt sich Matthias Hartmann als neuer Intendant des Burgtheaters vor, voll postdramatischer Lustigkeit im Vorwort der Spielzeitvorschau 2009/10.
Daraufhin wird ein noch lustigerer posttraumatischer E-Mail-Dialog mit Mephisto höchstselbst über allfällige Verträge geführt. Kronjuwel der insgesamt lohnenden Lektüre sind die Beschreibungen der kommenden Stücke. Diese sind kreativitätsüberbordende Machwerke: als Zeitungsberichte im Sensationsstil gestaltet und vermutlich aus einer Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogik entstanden. Oder aber es handelt sich um das neue Projekt des Deutsch-Leistungskurses einer Ganztagsschule mit zu wenigen Freizeitmöglichkeiten.

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Der gesuchte Suchende

Der Italiener Tabucchi, Professor für portugiesische Sprache und Literatur, ist einer der Schriftsteller, die man wegen der rastlosen Ruhe ihrer Texte bewundern muss. Wer sich fragt, was denn „rastlose Ruhe“ sein soll, der möge bitte einfach Tabucchi lesen – es ist schwer, seinen Stil anders zu beschreiben. Er schreibt, als ob er nichts Besonderes zu sagen hätte, aber gleichzeitig liefert er einen Plotpoint nach dem anderen ab. Sein Buch „Erklärt Perreira“ ist sogar 1955 mit Marcello Mastroianni in der Titelrolle verfilmt worden.

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„Der Fuchs und der Igel“ – der große Tolstoi-Essay von Isaiah Berlin

Isaiah Berlin (1909–1997) erlebt dieser Tage verstärkte und berechtigte Aufmerksamkeit. Anlass ist sein 100. Geburtstag und der aus Riga stämmige Gelehrte, der via Russland mit seiner Familie nach England emigrierte, wird deshalb von der Essayistenzunft neuerlich portraitiert. Berlin, ein u.a. lange Jahre in Oxford lehrender Philosoph, äußert sich in seinen zahlreichen Schriften stets sehr gut verständlich zu Fragen der Ideengeschichte. Aber auch die Literatur, v.a. die „Russischen Denker“ (1978, engl. Original – 1995 dt. Fischer) leuchtet Berlin aus einer Metaebene heraus aus – die „russischen Aufsätze“ waren meine sommerliche Lektüre. Besonderes Interesse bringt Berlin hier Tolstoi gegenüber auf – den er im „Fuchs und Igel-Aufsatz“ seinen Lesern als zerrissene Existenz vorstellt.

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Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten. dtv, München: 2009

Detective Landsman vom Morddezernat des Distrikts Sitka ist wegen seiner Ermittlungsmethoden berüchtigt, dem Alkohol verfallen und beruflich wie privat eher auf dem Weg nach ganz unten.

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Montaigne heute wieder lesen – mit der Anleitung von Greffrath?

„Montaigne heute. Leben in Zwischenzeiten“, so heißt ein Buch, das Michael Greffrath schon vor 25 Jahren unter anderen weniger verkaufsförderlichen Titeln publiziert hat und das mir in einer Abverkaufsbuchhandlung (so weit kommt es also in „Zwischenzeiten“) in die Hände fiel. Und nicht nur wegen des in unseren Zeiten sehr ansprechenden Titels schlug ich zu.

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Fotoserie: Maschine

Die Fotoserie Maschine der elften Ausgabe des Baggers von Harald Höller, Wien.

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